Eine kleine Geschichte zur Habichtshöhe


Die Westfälische Zeitung schreibt hierüber in ihrer Ausgabe vom
3. Juni 1932 folgendes:

Die allen Bielefeldern wohlbekannte Wald- und Gartenwirtschaft „Habichtshöhe“ rüstet sich zur
50-jährigen Jubelfeier; denn im Jahre 1882 wurde dem damaligen Hofbesitzer Kaspar Habicht und Frau Julie, geb. Elges aus Hillegossen, die volle Konzession für einen Wirtschaftsbetrieb verliehen.

Über hundert Jahre lässt sich noch die Geschichte des alten Bauernhofes zurückverfolgen. Ursprünglich lag das Hauptgebäude auf der nördlichen Seite der von-Bodelschwingh-Straße, nahe der Quelle im Tale, aus der noch heute das Wasser geholt wird.

Eine Urkunde vom 17. Oktober 1808 berichtet, dass die „Habicht Stette“, Bauernschaft Sandhagen Nr. 9, Königl. Domainen-Amt Brackwede, von Franz Adolph Kükenshöner in der Subhastation für 1320 Rthr. erworben und an seinen Bruder Johan Henrich Adolph abgetreten ist.

Anerkannt im Namen Hieronymus Napoleon, Königs von Westphalen, vom Tribunal des Bielefelder Districts. Auf der Besitzung ruhten Hand- und Spanndienst und Abgaben, u. a. 8 Becher Hafer „sparenbergisches Maß“.

Der neue Besitzer übernahm, wie es in Ravensberg üblich war, den Hofnamen als Eigennamen, nennt sich anfangs noch Kükenshöner, dann Habicht geb. Kükenshöner, schließlich nur noch Habicht.

Vom Hofe entfernt, am Waldesrand, wurde ein Kotten erbaut, an dessen Balken ist heute noch zu lesen: „Anno 1820 haben Johan Henrich Adolph Kükenshöner und Anne Magretha Loise Wulners, diese beiden Eheleute, haben diesen Hof gebaut und dieses Haus durch Gottes Hülfe bauen und am 23. Agust aufrichten lassen.

M(eister) S. F. Hindermann.“ Es waren also zwei Nachbarkinder, die sich geheiratet hatten, denn der väterliche Hof Kükenshöner lag in Sandhagen und wurde vor einigen Jahren zum Schülerheim der Aufbauschule Bethel umgebaut, Wüllners Hof lag nicht weit entfernt und ist heute die Volksheimschule Lindenhof am Fuße des Kugelgasometers.

Als kurz nach Errichtung des Kottens das Hauptgebäude völlig niederbrannte, wurde das neue Haus höher an den Berg, in der Nähe des Kottens, verlegt und diese Inschrift besagt: „Im Jahre 1828 haben die Eheleute Johan Henrich Adolph Kükenhöner und Anna Magretha Lowise Wulnern dieses Haus bauen und am 10ten Octbr. aufrichten lassen. Was Got thut, das ist wohlgethan, es bleibt gerecht sein Wille. Wie er fängt meine Sache an, harr ich sein und bin stille. Er ist mein Gott, der in der Noth mich wohl weiß zu erhalten, drum laß ich ihm nur walten. Vorriges Haus ist durg ein heftiger Feuersbrunst in die Asche gefallen und von dem B.M. (Baumeister) Gasel wieder aufgeführt. Und an der Seitentür: „Wesz soll ich mich, o Herr, den trösten, nur deiner Huld, du bis mein Heil, wenn auch die Noth am größten, doch meines Herzens Trost und Theil, du stehst nach deiner Vatertreue mir stets mit Rat und Hülfe bei, ora et labora.“

1839 übertrug Johan Adolph Habicht geb. Kükenshöner das Colonat seinem Sohn Friedrich Wilhelm, der es 1874 seinem Kinde Kaspar Heinrich Habicht weiter gab. Als junge Frau zog Julie Elges aus Hillegossen auf den Hof, auf dem sie heute noch wohnt, und beiden Eheleuten wurde 1882 die Erlaubnis der Schankwirtschaft erteilt. Nun hieß es doppelt fleißig sein, die Gastwirtschaft sollte gepflegt, die Landwirtschaft nicht vernachlässigt werden. Doch schon 1883 starb der junge Ehemann, 1885 verheiratete sich die Witwe Julie Habicht wieder mit Landwirt Heinrich Höke aus Sieker. Bald waren die kleinen Gasträume zu eng, deshalb wurde 1895 dem Bauernhause ein Saalbau angefügt und eine Veranda vorgelagert. Viele Gäste sind hier eingekehrt, denn die glückliche Lage des Habichtshofes - jetzt Habichtshöhe – lässt einen Ausflug dorthin bei zweifelhaftem Wetter nahe genug, bei heißer Sonnenglut nicht zu weit erscheinen. Bei aller Einfachheit war alles stets blitzsauber und gut gepflegt und einer freundlichen Aufnahme ist jedermann sicher. Gibt es wohl ein köstlicheres Ausruhen, als unter den Bäumen dieses alten Hofes inmitten der lieblichen Hügellandschaft des Teutoburger Waldes? Die wachsende Großstadt brachte immer größere Scharen von Wanderern; die Räume wachsen, es dehnt sich das Haus.

1925 kam ein Neubau hinzu, Fremdenzimmer können Herberge geben. Und nimmermüde schaffen junge und alte Hände der Familie Höke, um den Gästen den Aufenthalt behaglich zu gestalten. Und dass Arbeit und Mühe doch jung halten, dafür ist Frau Julie Höke ein lebendiger Beweis, denn wer sie sieht, wie sie sich vom Boden auf die Leiter schwingt, glaubt nicht, dass sie 74 Lenze hinter sich hat. Das Leben dieser Frau setzte den Hausspruch in die Tat um: Ora et labora.
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